Die Jury formuliert: »Jeder Kilometer, jede Stunde,
jeder Tag werden auf diese Weise zu einer intensiv-leidenschaftlichen Liniengeraden.«
Die Funktionalität von Informationssystemen, auf die Mathieus künstlerische Praxis anspielt, findet sich in dieser »Ästhetik der Administration« (Benjamin Buchloh) subvertiert. Doch nicht nur entzieht sie sich der direkten Verwertbarkeit, sondern Affekt und Obsession, Körper und Materie bringen sich hier auf andere Weise wieder mit ins Spiel.

Laudatio zur preisverleihung, lüneburg gesamter Text

Wie lang ist ein Weg N° 1 – N° 16, 2008 - 2014
Pigmentstift auf Papier + 24 Audioaufnahmen

Zeichnungen und CDs gehören einer größeren Arbeit an, welche als Untersuchung angelegt ist. Dieser ist eine Wanderung während meines Studiums an der Beaux Arts Toulouse vorausgegangen, quer durch Südfrankreich – von Marseille nach Lourdes / Pyrèneen, in 46 Tagen und mit 860 gegangene Kilometer. Die künstlerische Untersuchung dieser Wanderung besteht aus:

PARAMETER:
- Ein metrisches Maß, z.B. 100 x 1000 cm x 1cm Strichlänge
- Die Zeichenrichtung geht von links > rechts und von oben > unten
- Keine Farbigkeit
- Keine Korrektur
- Das Ende der Arbeit bleibt offen ( Ausnahme N°3, die auf 46 Teile / weil 46 Wandertage angelegt ist)

ARBEITSWEISE:
- 6 Arbeitsphasen täglich à 60 Minuten
- Aufgestützt auf dem Bauch am Boden liegend, d.h. ohne Überblick
- Ständige, akustische Audioaufnahmen von Körper- und Zeichengeräuschen
- Die Arbeit `Wie lang ist ein Weg N°3 ` begann 2010 und ist noch nicht beendet

ERGEBNISSE:
- Die Zeichnungen entwickeln ein Bild aus Hell- und Dunkelkontrasten, aus Horizontalen und zusätzlichen Vertikalen, aus Verdichtung und Leere, welche an Textur erinnert
- Die Interaktion zwischen Körper und Material fasziniert mich, trotz oder gerade wegen der Einschränkungen. Es entsteht dabei etwas außerhalb meines Einflusses, welches ich `die Eigenständigkeit der Zeichnung´ nenne.

 

How Long is a Path, N° 1 - N° 16 , 2008 - 2014
Pencil on paper + 24 audio recordings

The drawings and CDs belong to a larger work designed as a single study. The study is based on a walk taken during my studies at the Beaux Arts Toulouse across the South of France - Marseille to Lourdes / Pyrenees, 860 kilometers covered in 46 days.
The artistic investigation of this walk comprises:

PARAMETERS:
- A metric measure , for example, 100 x 1000 cm x 1 cm stroke length
- Direction of drawing: left to right and top to bottom
- No additional color
- No corrections
- The end of the work remains open (except
N° 3 because 46 days of hiking equal the 46 parts)

METHOD :
- 6 periods of work in 60-minute units daily
- Lying on stomach with head propped up, so without an overview of the whole
- Continuous acoustic recordings of bodily and drawing sounds
- The work `How Long is a Path N° 3‘ began in 2010 and is not yet finished

OUTCOME:
- The drawings emerge as an image of light and dark contrasts, both horizontal lines and additional vertical lines, a range of density and emptiness, all reminiscent of texture
- The interaction between the body and materials fascinates me, despite or perhaps because of the limitations. The result is something outside of my influence, which I call ‘the independence of the drawing. ‘

Maria Mathieu

art agendaKIM
Leuphana Universität Lüneburg